Spiritualität

Über Jahrhunderte und Jahrtausende erblühten auf unserer Erde die verschiedensten spirituellen Wege. Sie kamen und verloren sich wieder. Sie erscheinen innerhalb bestimmter Zeiträume und Kulturen. Manche blieben uns in Wort und Schrift bis heute erhalten. Sie alle hatten großen Einfluss auf die jeweilige lebende menschliche Bevölkerung. Sie waren zutiefst menschlich, weise, lichtvoll und wegweisend für viele Suchende. Sie bargen ein Verständnis des Menschseins, das universelle Züge trug. Sie alle haben eine kulturspezifische Philosophie oder Weltanschauung und tragen etwas ganz Besonderes in sich, was sie der Einen Welt geben können. Es sind jeweilige Kostbarkeiten, welche die Vielfalt innerhalb einer universellen Spiritualität respektieren.
Die Menschen lebten in archaischem, magischem, mystischem oder rationalem Bewusstsein, je nach Epoche der Menschheit. Was sie je nach evolutiver Entwicklungsstufe einte: Das Bewusstsein ermöglichte noch keine universelle Betrachtung.

Heute stehen wir an einem wichtigen Übergang. Das erste Mal in unserer Menschheitsgeschichte ist es möglich, dass wir die Welt als Ganzes sehen können: Die wunderschöne weiß-blaue Kugel, Mutter Erde, wie sie die Sonne umkreist im Zusammenspiel mit den anderen Planeten. Wir wissen mittlerweile, dass unser Sonnensystem ein Teil unserer Galaxie ist, die wiederum ein Teil eines noch größeren Systems ist, das Universum. Dies alles ist bedeutungsvoll und ermöglicht dem Menschen erst jetzt, wirklich von einer universellen Spiritualität zu sprechen.

Doch was ist unter dem Wort Spiritualität überhaupt zu verstehen?
Spirit, Geist, Bewusstsein sind verschiedene Ausdrücke, die auf das Eine, das Unbrennbare hinweisen. Es gibt weitere Namen dafür: Das Göttliche, Gott, TAO, Brahman, Allah, Jachweh und viele weitere. Alle diese Namen sind menschengegeben und drücken etwas aus, was auf irgendeine Weise tief erfahren worden ist. Man wußte nicht, wie diese Eine Wirklichkeit in Worte zu fassen ist. Gleichzeitig sind die unterschiedlichen Namen kulturspezifisch geprägt. Der ursprüngliche reine, universelle Charakter ist dem Menschen durch sein begrenztes Bewusstsein verloren gegangen. Das Einwirken von Spiritualität offenbart das tiefe Wissen, dass es nur die Eine, untrennbare Wirklichkeit gibt. Und dies ist, je nach Bewusstseinsstufe, sehr schwer verständlich. In tiefen Meditationen bekommen wir einen Geschmack davon. Letztlich ist es eine Lebensweise, eine Haltung, die gerade dem rationalen Menschen eine radikal nur Dimension des reinen Bewusstseins, welche alle vorhergehenden umfasst, einschließt und transzendiert. Denken beruht auf der Trennung von Subjekt und Objekt. Denken trennt und ist bereits gelebte Dualität. Bewusstsein meint bewusstes Sein. Darin gibt es dann kein Erkennen und Verstehen mehr – sondern nur DAS.

Spiritualität lässt uns Menschen verstehen, dass ich essenziell reines Bewusstsein bin, ungeboren und unsterblich. Revolutionär ist, dass die Spiritualität heute vielen Menschen auf der Welt offen steht. Das ist neu – es ist weitest gehend kein Geheimwissen mehr! In einem evolutiven Kontext betrachtet, scheint etwas im (post)modernen Menschen zu erwachen: Eine noch umfassendere, komplexere und tiefere Bewusstseinsstufe.

Im Jetzt gibt es keine Trennung. Im Jetzt wirkt die Kraft der Stille.
Jetzt ist pures Leben, weites Bewusstsein, worin sich alle Lebenssituationen abspielen.
Im Jetzt bekommen wir Menschen Zugang zu etwas, das unser Verstand nicht mehr erfassen kann. Jenseits des Denkens, und dieses umfassend, wird alles, was bedeutungsvoll ist für uns Menschen zugänglich: Frieden, Stille, Liebe, Kreativität und Freude. Wie kommt das? Weil die Essenz des Menschen selbst reines Bewusstsein ist, das in sich strahlt in absoluter Stille und in tiefster Liebe für alles, was ist. So benötigt es nur diesen einen Schritt vom Denken zum Beobachten des Denkens. Es ist der eine Schritt weg von ´ich´ und ´mein´in DAS, was namenlos ist.

Es gibt drei wesentliche Hindernisse, die uns Menschen das Erleben der Gegenwärtigkeit erschweren: Die Wertung, sie führt uns augenblicklich in die Trennung von Subjekt und Objekt. Die Anhaftung, nicht nur im materiellen Bereich, auch im subtilen und kausalen Bereich gibt es ein Nicht-loslassen-wollen. Und, der Widerstand gegenüber dem, was ist.

Es ist ein dynamischer Prozess, der Beginn eines neuen Miteinander.

Eine Welt. Eine Menschheit. Ein Bewusstsein.
Grundlagen einer universellen Spiritualität.
angelehnt an Annette Kaiser