Homo Integralis

Sri Aurobindo ist der weltweit bekannteste integrale Denker und Philosoph.
Aurobindo vermittelt einen Geschmack, wohin Bewusstwerdung der Menschen führen kann. Er zeichnet erahnend eine ganz andere Möglichkeit auf, wie ein Wesen als gnostisch-menlisches als Ganzes lebt und wirkt. Seine Texte spornen an und inspirieren für den nächsten Schritt: Gewahrsein jetzt als Selbst im Selbst, voller Licht und Freude, gestaltend und respektierend, das, was Ist, die inneren Gesetzesmäßigkeiten und Rhythmen achtend, in Seins-Macht wirkend als Ausdruck vollkommener Harmonie des Ganzen.

Spiritualität ist bei Sri Aurobindo in eine kosmozentrische Perspektive eingebettet. Er beschreibt akribisch die gesamte Entwicklung auf der Erde. Zunächst gab es nur Materie, daraus erwachte Leben, daraus entstand der Geist, Wesen, welche auf der Erde Selbstreflexion besitzen. Als nächsten Schritt in der evolutiven Entwicklung sieht Sri Aurobindo das gnostische Wesen: Die supramentale Dimension.

Sri Aurobindo über Spiritualität:
Spiritualität ist nicht hohe Intellektualität, nicht Idealismus, nicht eine ethische Geistesrichtung oder moralische Reinheit und Zügelung, nicht Religiosität oder eine glühende, ekstatisch emotionale Inbrunst, nicht einmal eine Verbindung all dieser ausgezeichneten Dinge; eine mentale Anschauung, eine Überzeugung oder ein Glaube, ein emotionales Streben, eine Verhaltensweise, die durch ein religiöses oder ethisches Schema bestimmt werden, sind nicht eine spirituelle Errungenschaft und Erfahrung. Diese Dinge sind von beträchlichem Wert für das Mental und Leben, sie sind von Wert für die spirituelle Evolution als solche, als vorbereitende Bewegungen, welche die (menschliche) Natur disziplinieren, läutern oder ihr eine angemessene Form verleihen; doch gehören sie noch zur mentalen Evolution, – der Beginn einer spirituellen Verwirklichung, Erfahrung, Veränderung zeichnet sich noch nicht ab. Spiritualität ist in ihrer Essenz ein Erwachen für die innere Realität unseres Wesens, für einen Spirit, ein Selbst, eine Seele, die sich von unserem Mental, Leben und Körper unterscheiden, ein inneres Sehnen zu wissen, zu fühlen, das zu sein, mit einer größeren Wirklichkeit darüber in Kontakt zu kommen und das Universum zu durchdringen, das auch in unserem eigenen Wesen wohnt, Damit verbunden und Damit geeint zu sein, sowie eine Wende, eine Wandlung, eine Umwandlung unseres ganzen Wesens als Ergebnis des Sehnens, des Kontaktes, der Einung, ein Wachsen oder Erwachen in ein neues Werden oder ein neues Wesen, ein neues Selbst, eine neue Natur.

aus: Inneres Wachsen. Die Psychologie der inneren Entwicklung

Der supramentale Mensch erreicht erst seine Ganzheit, Harmonie und Gleichheit mit seinem Selbst des Einen Wesens. Was an der Außenseite zum Ausdruck gebracht oder in einem gewissen Augenblick zurückgehalten wird, hängt nicht von der Fähigkeit oder Unfähigkeit ab, sondern von der dynamischen Selbst-Entscheidung des Geistes: Von seiner Lust am Ausdruck des Selbsttest, von der Wahrheit des göttlichen Willens, von seiner Freude über sich selbst im Individuum, schließlich, nebenbei, auch von der Wahrheit dessen, was durch den Einzelnen im Einklang mit der Ganzheit getan werden muss. Der vollendete Einzelne ist das kosmische Individuum, da unsere Individualität nur dann vollendete sein kann, wenn wir das Universum in uns hineingenommen – transzendiert – haben.

So stellt sich das Dasein des supramentalen Wesens dar als Spiel einer sich vielfältig und vielfach offenbarenden Wahrheit-Macht des Eins-Seins und des Eins-Bewusstseins zur Freude des Eins-Seins. Der Sinn gnostischen Lebens ist die tiefe Freude an der Manifestation des Geistes in seiner Wahrheit des Seienden.

Wir sind nicht menschliche Wesen,
die eine göttliche Erfahrung machen.
Wir sind göttliche Wesen,
die eine menschliche Erfahrung machen.
Teilhard de Chardin